Natürliche „Agile Coach*in“ - Auch Mamas brauchen eine Pause!

Druckdatum PfalzEcho 17.05.2021


Heute feiere ich mit meinen Zeilen alle Mamas von minderjährigen Kindern und eingeschränkten Menschen.

Ich benutze den Begriff Mama oder Mutter als Synonym für die Menschen, die den Löwenanteil der Betreuung und Erziehung, unabhängig von Geschlecht, biologischer Verwandtschaft oder Alter, in der Coronapandemie geleistet haben und immer noch leisten!

Da ich selbst zu dieser Gruppierung gehöre, wechsele ich heute auf die Du-Ebene.

Wir starten mit einer kleinen Übung:

· Mache dich innerlich groß

· Richte dich auf

· Schulter zurück

· Brust raus

· Atme tief in den Bauch

· und klopfe dir auf die Schulter!

Sehr schön, aber was hat das jetzt mit einem der neusten In-Jobs

des digitalen Zeitalters zu tun?

Ich persönlich schmunzle immer wieder über die „neuen Berufe“. Mit neuen Titeln und Jobkreationen versuchen Spezialisten, die Mitarbeitenden zu motivieren und die Führungskompetenz zu erhöhen.

Und so erlaube ich mir heute das Anforderungsprofils „Agil

Coach*in“, vor nicht allzu langer Zeit noch „SCRUM Master*in“ genannt, mit dem Tätigkeitsprofil von Mamas im Familien-Pandemie Alltag zu vergleichen:

1) Führen eines Teams durch einen Entwicklungsprozess

Als Moderator im virtuellen Team-Meeting das Trockenwerden des Kindes begleiten. Check!

2) Ermutigung der Mitarbeitenden sich die agile Methodik zu eigen zu machen (z.B. sinnvolle Nutzung von digitalen Tools)

Dem Chef das Meeting absagen, damit wir unsere Erstklässler in eine Schul-Videokonferenz begleiten können, Lern-App für Kids testen & Medienkonsum regulieren. Check!

3) Kontinuierliche Weiterbildung (persönliche & fachliche Ebene)

Lernen, sich selbst an die letzte Stelle zu setzen, damit Familie und Job kompatibel sind. Laut Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung verhindert eine Elternschaft die Stagnation auf der 7. Stufe. Check!

4) Positive Haltung zum Team auch in schwierigen Phasen

Arbeit auf die Abendstunden verlegen wegen Homeschooling und Co., dann noch eine Nachtschicht beim zahnenden Nachwuchs und morgens um sieben geht es weiter, aber bitte gut gelaunt. Check!

5) Fortgeschrittene Kommunikations- und Konfliktlöse-Skills

LOL, ich sag nur Geschwisterkinder, Fernsehen und Süßigkeiten. Erkläre deinen Liebsten, dass die Sweet 16- Geburtstagsparty wahrscheinlich am 18. Geburtstag nachgeholt wird. Check!

6) Freude an Veränderung

Neue weiterführende Schule aussuchen, Satz des Pythagoras nochmal auf YouTube lernen, damit wir als „Quereinsteiger-Lehrer“ unsere Kindern in das neue Thema einführen können und noch parallel eine eigene Bewerbung rausschicken, weil die aktuelle Stelle durch die Pandemie weggefallen ist. Check!

7) Empathie für die Kundschaft

In der Kita für die Notbetreuung betteln, weil die Arbeitszeiten sich spontan verschoben haben. Check!

8)Flexible Handlungsoptionen

Kids Fahrradfahren beibringen und parallel neuen Kollegen einarbeiten. Check!

9) Vorbildhaltung

Trotz alledem - lache und Liebe schenken. Check!

10) Entscheidungstransparenz

Erkläre, egal was kommt, dass Kinder das Wertvollste sind, was unsere Gesellschaft hat. Check!

Na, schmunzelt ihr jetzt auch?

Wir brauchen keinen exklusiven Jobtitel.

Die meisten von uns sind die natürlichen „Agilen Coaches“.

Oft arbeiten wir für unsere Familie sieben Tage die Woche, 12 Stunden pro Tag plus Homeoffice & Co, machen den Haushalt und vieles mehr.

Ich wünsche mir für uns, dass die Gesellschaft die Leistung der Familienarbeitszeit adäquat wertschätzt.

Solange wir noch bei der Geburt des 2. Kindes den Ganztags-Platz gestrichen bekommen oder Führungspositionen nur in Vollzeit angeboten werden, haben wir noch viel Arbeit vor uns.

Ein Customer Service für Eltern und Kinder auf Seiten der Betreuungsanbietenden und Arbeitgebenden bedeutet Gesundheitsschutz für Familien und orientiert sich an individuellen Bedürfnissen.

Gönnt euch täglich bewusste Alleinzeit, damit ihr gesund bleibt und seid stolz auf eure Mega-Leistung.

Falls ihr nicht wisst, wie ihr euch diese Pause gönnen könnt, meldet euch gerne. Wir finden einen Weg.

Ein Hoch auf alle Mamas!

Liebe Grüße

Stefanie


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